Die Kolbenente ist eine weltweit eher seltene Entenart mit einem Verbreitungsgebiet von der Mongolei westwärts bis auf die iberische Halbinsel. Sie ist gut angepasst an Landschaften mit dynamischen Umweltbedingungen (wie in den zentralasiatischen Steppen und Halbwüsten) und kann recht schnell neue Gebiete besiedeln. Die südwest- und mitteleuropäische Population ist räumlich und genetisch von den asiatischen und Schwarzmeerpopulationen getrennt und umfasst nur etwa 50'000 Individuen. Sie hat sich nach einer Dürreperiode in Spanien seit Anfang der 1990-er Jahre von dort aus deutlich nach Nordosten ausgebreitet. Sie profitiert von der mittlerweile wieder besseren Wasserqualität der Schweizer Seen, die ein gutes Wachstum von Unterwasservegetation und besonders Armleuchteralgen, ihrer Hauptnahrung, zulässt. Die Schweiz ist auch zu einem sehr wichtigen Überwinterungs- und Mausergebiet der Art geworden (Prioritäre Gastvogelart mit sehr hoher Verantwortung der Schweiz gemäss der Liste der prioritären Vogelarten der Schweiz, 2025).
Seit dem ersten Brutnachweis im Luzerner Seebecken (1992: 3 jungenführende Weibchen) brütet die Art hier regelmässig. Ab 2004 werden die Brutbeobachtungen ausgewertet; Jährlich wurden zwischen 5 und 14 Bruten gezählt. Die effektive Zahl brütender Weibchen liegt sicher höher. Der Sommerbestand adulter Kolbenenten in der Luzerner Seebucht lag in den letzten Jahren etwa zwischen 60 und 80 Ind.. Unter Annahme eines etwa ausgeglichenen Geschlechterverhältnisses könnten theoretisch also gut 30 Weibchen zur Brut schreiten. Gute Neststandorte sind aber vermutlich limitiert. Nester wurden in Luzern bisher erst ausnahmsweise gefunden. Die Mortalität der Jungvögel in den ersten Tagen ist sehr hoch, ganze Schofe gehen verloren und somit bleiben diverse Bruten wohl unbeobachtet. Entscheidend für die Population ist, wie viele Jungvögel durchkommen. Unsere Beobachtungen in den letzten Jahren lassen vermuten, dass dies nur ein kleiner Teil der geschlüpften ist, der Bestand war in den letzten 20 Jahren aber mehr oder weniger konstant (durchschnittlich 9.3 Bruten/Jahr), was natürlich auch auf Zuwanderung beruhen könnte. Die langjährige Datenreihe soll weitergeführt werden, denn der Luzerner Brutbestand umfasst etwa 4-5% des Schweizerischen Bestands. Bessere Kenntnisse zu den Brutorten und zu möglichen Schutz- und Fördermassnahmen wären ebenfalls hilfreich. Zudem können bei einer so dynamischen Art wie der Kolbenente auch in Zukunft wieder starke Veränderungen auftreten.
Mehr Informationen über die Kolbenenten erhalten Sie bei der Schweizerischen Vogelwarte und weitere Informationen über unsere Arbeit zum Schutz dieser Vogelart finden Sie in den Jahresberichten der OGL.
Lesen Sie auch den Artikel über Kolbenenten in der Luzerner Zeitung vom 28. Januar 2017.
NLZ-Artikel: Kolbenenten vom 28. Januar 2017
PDF herunterladen

