Gänsesäger-Weibchen mit rekordverdächtig vielen 19 Jungvögeln (Pulli) in der Reuss in Luzern.

Gänsesäger (Mergus merganser)

Der Gänsesäger ist grösser als alle unsere Schwimm- und Tauchenten und gehört zur Familie der Säger. Er fällt aber auch durch seine Gefiederfärbung auf: Das Männchen ist im Prachtkleid hauptsächlich weiss mit schwarzer Oberseite und glänzend dunkelgrünem Kopf und Hals. Beim Weibchen dominiert der graue Rücken, markant ist der kastanienbraune Kopf mit der «windschnittigen Frisur».

Das Hauptverbreitungsgebiet der Gänsesäger liegt in Skandinavien, Sibirien und Nordamerika. Im nördlichen Alpenvorland gibt es eine genetisch eigenständige Gänsesäger Brutpopulation. Mit 600 bis 800 Brutpaaren (gemäss «Schweizer Brutvogelatlas 2013-2016») brütet rund die Hälfte dieser Alpenpopulation an Schweizer Gewässern. Damit hat die Schweiz eine grosse und internationale Verantwortung für die Erhaltung dieser Population, die auf der Roten Liste 2021 als «potenziell gefährdet» geführt wird.

Seit dem Jahr 2000 brüten die Gänsesäger auch in der Stadt Luzern, bevorzugt in Höhlen in den Museggtürmen. Am ersten oder zweiten Tag nach dem Schlüpfen verlässt die Mutter mit den Jungen (Pulli) das Nest. Dabei springen die Pulli bis zu 20 Meter in die Tiefe, ohne sich zu verletzen. Das Weibchen muss die Jungen anschliessend auf meist gefährlichen Wegen vom Brutort an den See oder die Reuss führen.
Die Jungen jagen vom ersten Tag an selbstständig im Wasser nach Nahrung. Ihre Mutter brauchen sie zum Schutz vor Fressfeinden und sie führt die Pulli von Zeit zu Zeit zum Aufwärmen aus dem Wasser. Die Männchen sind zu diesem Zeitpunkt bereits in den Norden geflogen, um dort zu mausern.


Die Aufgabe der OGL

Die OGL setzt sich mit einem Team von Freiwilligen für frisch ausgeflogene Gänsesägerfamilien ein, die aus menschverursachten Gründen in Not geraten sind.

Zudem ist während der Brutzeit praktisch täglich jemand aus dem Team entlang der Gewässer unterwegs, um möglichst alle Gänsesägerfamilien zu entdecken. Anhand der Grösse, der Anzahl und des Verhaltens der beobachteten Pulli wird festgestellt, ob es sich um eine bekannte oder eine neue Familie handelt. Wenn Sie auf dem Rotsee, dem Vierwaldstättersee oder auf der Reuss ein Gänsesägerweibchen mit Jungen entdecken, melden Sie uns diese Beobachtung bitte mit dem online-Formular, damit auch diese Brut ins Monitoring einfliesst.


 Gänsesäger- bruten

Nachdem die Bruten anfänglich kontinuierlich zunahmen, beobachten wir seit dem Jahr 2020, dass sie wieder abnehmen. Als Grund für diese Entwicklung sehen wir die Abnahme der für Gänsesäger verfügbaren Nisthöhlen an der Museggmauer durch die Zunahme der ebenfalls in Höhlen brütenden Dohlenpaare und durch das Baumwachstum, das mehr und mehr Nisthöhlen für anfliegende Gänsesägerweibchen unzugänglich macht.


Nutzen

Mit der Gänsesägerbegleitung und dem -monitoring nimmt die OGL einen Teil der Verantwortung wahr, welche die Schweiz für die Erhaltung der alpinen Gänsesägerpopulation hat. Mit unserem Eingreifen sorgen wir dafür, dass Gänsesäger Pulli nicht durch menschenverursachte Gefahren sterben, sondern in der natürlichen Nahrungskette verbleiben. Zudem liefern die langjährigen Datenreihen zum Bruterfolg der Gänsesäger wichtige Hinweise zum Entwicklungstrend und zum Zustand des Ökosystems Reuss.

Mehr Informationen über die Gänsesäger erhalten Sie bei der Schweizer Vogelwarte und weitere Informationen über unsere Arbeit zum Schutz dieser Vogelart finden Sie in den Jahresberichten der OGL.


Merkblatt zum Umgang mit frisch ausgeflogenen Gänsesäger-Familien an der Museggmauer


Walter Fassbind konnte filmen, wie eine Gänsesäger-Mutter zusammen mit ihren Jungvögeln (Pulli) ihre Brutnische hoch oben am Zytturm verlässt.